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Nur noch wenige versteckte
Überreste aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges
finden sich am Schilkseer Wanderweg von der ehemaligen Marineflak
Abteilung 221
am Jägersberg.
Abb.:
Auf dieser Karte des Marineschießstandes aus dem Jahr 1924 kann
man direkt rechts oberhalb der Schießbahnen den 27 Meter hohen
Jägersberg erkennen, der mit Schießstde
gekennzeichnet
ist. Genau hier standen die Geschütze der Flakbatterie. Man
sieht hier auch bereits ein Weg Richtung Barkmissen, wo sich während des
Zweiten Weltkrieges ein Munitionslager befand.
Die Flakbatterie Holtenau befand sich auf dem Jägersberg, auf einem Gebiet, das heute zur Gemeinde Altenholz gehört. Sie bildete die 4. Batterie der Marine-Flak-Abteilung 221 (4./221).
Abb.:
Marineflak-Batterie Holtenau (Quelle:
http://www.bunker-kiel.com).
Bis zum Februar 1944 bestand die Bewaffnung aus 2 Doppellafetten
8,8 cm, die vom ehemaligen leichten Kreuzer Leipzig
abgegeben worden waren. Später wurde dann als Antwort auf die in
immer größeren Höhen operierenden alliierten Bomber auf 12,8 cm
Geschütze aufgerüstet.
In der Regel befanden sich pro Flakbatterie vier Geschütze des Kalibers 8,8cm, 10,5cm, oder 12,8cm. Einige der Batterien wurden im Verlaufe des Krieges mit einem fünften Geschütz ausgestattet, das von einer oder mehreren aufgelösten Batterien stammte. Als Zusatzbewaffnung, hauptsächlich zur Bekämpfung von Tieffliegern, standen außerdem eine oder mehrere leichte Flak-Geschütze vom Kaliber 2cm oder 3,7cm zur Verfügung. Die zur Bevorratung benötigten Munitionsbunker lagen bis zu 800m von den Geschützen entfernt, um bei einem Bombentreffer die Anlage nicht zu gefährden. Der Transport der Munition zu den Geschützen erfolgte meist zu Fuß, oder mit einem kleineren Transportwagen, der von Hand gezogen und geschoben werden musste. Für diese anstrengende Arbeit wurden oftmals russische Fremdarbeiter (Kriegsgefangene) eingesetzt, die von den Flakhelfern unterstützt wurden. Die vier Geschützbettungen wurden in einem Durchmesser von etwa 30m errichtet, in deren Mitte sich der Leitstand mit dem Entfernungsmesser befand. Die einzelnen Bettungen und der Leitstand waren durch unterirdische Gänge oder durch nach oben getarnte Laufgräben miteinander verbunden.1
Die Geschütze wurden auf einer Betonbettung fest installiert und hatten einen Schwenkbereich von 360°. Um gegen Bombensplitter, Granatsplitter, abgeworfene Brandbomben oder gegen direkten Beschuss geschützt zu sein, waren die Geschütze oftmals mit einer Panzerkuppel gesichert. Innerhalb der Bettung befanden sich mehrere kleine Munitionsbunker, aus der die Besatzung die bereitgestellte Munition entnehmen konnte. Die eigentlichen Munitionsbunker befanden sich aus Sicherheitsgründen in der Regel in mehreren hundert Metern Entfernung.
Die Kommandeure der Batterie waren der Holtenauer Oberleutnant (Oblt.) Egbert Lucks und die Oblts. Goss und Rüdel. Der Stab der Abteilung lag in Kiel-Friedrichsort, später Dehnhöft. Unterstellt war die Abteilung der 1. Marineflakbrigade. In der Batterie wurden auch Schüler der Kieler Hebbelschule als Marinehelfer eingesetzt. Weiterhin wurden russische Kriegsgefangene als Hiwis eingesetzt.
Abb.:
Marineflak-Batterie Holtenau (Quelle: www.bunker-kiel.com).
Die Schüler der Hebbelschule wurden auch an anderen Flakstandorten im Raum Kiel eingesetzt, u. a. in Schilksee, Schulensee, Hasseldieksdamm und Oppendorf. Die als erste eingezogenen Schüler der Jahrgänge 1926 und 1927 rückten in die Batterie Schilksee ein (2./221 unter Oblt. Baldur Springmann [externer Link]; zunächst 10,5 cm, später 12,8 cm (Flak 40)). Im Herbst 1943 wurden sie in die Batterie Hasseldieksdamm zwischen Hassee und Russee verlegt (4./ 251 unter Oblt. Radvan; 10,5 cm-Batterie).
Im Frühjahr 1944 lagen 2 Obertertien und 1 Obersekunda der Hebbelschule zusammen mit 1 Obersekunda der Dahlmannschule Bad Segeberg in dieser Stellung, insgesamt ca. 100 Marinehelfer. Die im Sommer 1943 einberufenen Schüler kamen in die Stellung Holtenau (4./221 unter Oblt. Lucks und Oblt. Goss; 12,8 cm-Batterie)und blieben dort bis zur Entlassung des Jahrgangs 1927.
Die Jungen des Jahrgangs 1928, die im Januar 1944 der Klasse 6 angehörten, waren von Anfang bis Ende in der Stellung Schulensee bei Meimersdorf (2./281; 12,8 cm-Batterie unter Oblt. Pavel). 3 Schüler derselben Klasse, die in der Kinderlandverschickung als Mannschaftsführer Verwendung gefunden hatten, kamen im August 1944 kurz nach Holtenau, wurden dann aber nach Oppendorf verlegt.
Während im Kieler Raum mehrere Marinehelfer auch durch direkte Bombentreffer beim Flakdienst ums Leben kamen, gab es in Holtenau zwar bei einem Angriff direkte Treffer in die Flakstellungen, wobei jedoch glücklicherweise niemand verletzt wurde2.
Da sich die Stellung in unmittelbarer Nähe zum Marineschießplatz Holtenau befand, konnten die Marinehelfer zumindest akustisch auch die Vollstreckung der Sondergerichtsurteile miterleben, die ihnen während der samstäglichen Appelle verlesen wurden. Ähnliches schildert auch der Kieler Journalist Karl Rickers, der im Herbst 1941 im Rahmen seiner Ausbildung bei der Marineflak den Schießplatz besuchte:
Zum Abschluß des Schießens wurde uns noch freundlicherweise ein abseits stehender Pfahl gezeigt, der vielfach durchlöchert war. Es war der Pfahl, an den zum Tode verurteilte Soldaten gebunden und erschossen wurden.3
Verluste und Beschädigungen:
Am 20.07.1940 wurden in der Batterie Holtenau 11 Mann leicht und einer schwer durch eigene 2cm Granate verwundet.4
Am 17.10.1940 ist die Batterie mit allen Geschützen wegen Rohrausbrennung ausgefallen.
Bei einem Luftangriff am 24.8.1944 wurde durch Bombentreffer im Gelände die Kabelverbindung zum Leitstand unterbrochen. Sämtliche Telefonverbindungen sind ausgefallen. Die Handwerkerbaracke und das Revier wurden zerstört. Sämtliche übrige Baracken mehr oder weniger beschädigt. Bei dem Angriff wurde 1 Marinehelfer und 1 Soldat verwundet.
Neben der Marineflakabteilung gab es noch weitere Flakstellungen in Holtenau, z. B.:
Am 04.11.1939 bezog der 1. Zug der 5. Batterie die 4
Flakstände auf der großen Schleuseninsel. Der Zug verfügte
über 3 x 3,7 cm Flak 18 und eine 2 cm Flak 30 und löste
damit die vorher aufgestellten 2 x 3,7 cm SK und 2 x 2 cm
Flak 30 ab.
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Abb.: Das Flakhaus
auf dem
Kleingartengelände.
Flakstellung am Holtenauer Leuchturm. Dazu heißt es in der
Lebensgeschichte des Holtneauers Christian Stark: Er
wurde vom Wehrdienst befreit, mußte aber außer seinen
normalen Schiffsreparaturen nun auch die am Leuchtturm
installierte FLAK-Stellung sowie die Scheinwerferstellung
ständig instand halten, andernfalls drohte die Enteignung
seines kleinen Betriebs. Die Wehrmacht stellte ihm
entsprechende Maschinen und Betriebsmittel zur Verfügung,
aber kommandierte auch regelmäßig etwa 8 bis 10 Soldaten
ab, die sich von Krischan Stark handwerklich ausbilden
lassen mußten.
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Weiterhin gab es in Holtenau Flakscheinwerfer, Sperrballons und Nebelwerferanlagen. In Kiel und dem Kieler Umland gab es 45 Flak- und über 97 Scheinwerferstandorte.
Den Schutz vor Luftangriffen konnte die Luftwaffe nur bis in das Jahr 1941 weitgehend sichern, danach blieb zum Schutz nur noch die in Kiel massierte Marineflak.
Abb.: Luftwaffenoffiziere
inspizieren die Absturzstelle eines alliierten Bombers in der
Lütjohannstraße.
Die Flakbatterien im Raum Kiel wurden vom Flak-Gruppenkommando, das seinen Sitz auf dem Gelände des ehemaligen Fort Herwarth nordwestlich von Dorf Pries hatte, befehligt. Ihm unterstanden insgesamt 36 Batterien mit über 140 Geschützen schweren Flakkalibers.
Während des Bombenkrieges gegen Kiel war Holtenau trotz Schleusen, Hochbrücke und Flugplatz nur ein Ziel sekundärer Bedeutung. Die Hauptlast der Bombardements mußten das Ostufer mit den Werftanlagen, das historische Zentrum und die Wohnviertel der Industriearbeiter tragen.
Tabelle: Liste der Bombenabwürfe in Holtenau:
| Datum: | Ort: | Anmerkung: |
| 21.06.1941 | Flugplatz Holtenau | |
| 27.06.1941 | Reichsarbeitsdienstlager (RAD) Holtenau | |
| 20.08.1941 | Flugplatz Holtenau | |
| 18.07.1944 | Prinz-Heinrich-Brücke, Flugplatz Holtenau | |
| 24.07.1944 | Holtenau | |
| 04.08.1944 | Schleusengelände | |
| 06.08.1944 | Schleusengelände, Flugplatz, Prinz-Heinrich-Brücke, Holtenau | |
| 14.8.1944 | Holtenau | Gravensteiner Str. 121 teilweise durch Brandbomben zerstört |
| 16./17.08.1944 | Holtenau | |
| 16.09.1944 | Holtenau | |
| 04.05.1945 | Holtenau | Einer der letzten Angriffe auf Kiel |
Tabelle: Anzahl der Bombentoten in Holtenau.
| 1940 |
1941 |
1942 |
1943 |
1944 |
1945 |
| --- |
3 |
--- |
--- |
11 |
5 |
Spricht man mit Holtenauern, die hier den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, dann hat man denn Eindruck, daß die Zahl der Bombentoten deutlich höher gewesen sein dürfte. Ich bin mir bisher nicht sicher, nach welchen Kriterien diese Zahlen damals erhoben wurden. Möglicherweise wurden hier nur die Holtenauer Einwohner berücksichtigt. Aber wurden die auf verschiedenen Standorten in Holtenau eingesetzten Wehrmachtsangehörigen und auch die Zwangsarbeiter mit eingerechnet? Die selbe Frage stellt sich für die sich gerade in Holtenau befindlichen Personen aus dem Bereich der Schiffahrt.
Die nur wenigen zerstörten Wohnungen im Stadtteil Holtenau führten nach dem Krieg dazu, daß in diesem Stadtteil besonders viele Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Ausgebombte einquartiert wurden. Trotzdem war die Zahl der Zugewanderten so groß, daß in Holtenau mehrere Flüchtlingslager entstanden.
Siehe auch:
© Bert Morio 2018 — Zuletzt geändert: 17-11-2018 09:40
Nach den Erinnerungen des ehemaligen Marinehelfers Dr. Jürgen Hacker aus Kiel, die er mir in einem privaten Gespräch mitteilte. ↩
muß ich noch raussuchen. ↩
https://www.bunker-kiel.com/marine-flak-brigade-i/leichte-flakstellungen-ugruko-271-kiel-mitte/holtenau-schleuse/ ↩
Stark, Christian: Die Geschichte der Firma Motorenwerkstatt Christian Stark in Kiel Holtenau, Schenefeld 2023. Unveröffentlicht. ↩