Der Großadmiral war in den letzten Kriegswochen maßgeblich für die Kriegsführung im Ostseeraum und die Evakuierung der Flüchtlinge aus dem Osten, die in großen Zahlen an den Küsten Schleswig-Holstein landeten, verantwortlich.
Dabei ging es darum, eine vollständige Kapitulation der Wehrmacht im Norden so lange wie möglich hinaus zu zögern, so dass möglichst viele Soldaten und auch Zivilisten dem Zugriff der Roten Armee entzogen werden konnten1. In dieser Situation bedeutete jeder gewonnene Tag, an dem die Kriegsmarine weiter im Ostseeraum operieren konnte, die Rettung zehntausender Menschen.
Dabei spielte auch der Kaiser-Wilhelm-Kanal als natürliches Hindernis eine wichtige Rolle. Es gab von verschiedenen deutschen Stellen Planungen, die Kanalbrücken und/oder die Uferböschungen zu sprengen.
© Bert Morio 2016 - Letzte Änderung: 02-12-2016 07:57
Inwieweit es Dönitz selbst dabei wirklich um die Rettung
von Zivilisten ging, kann ich nicht sagen. Dazu jedoch
folgendes kritische Zitat: Nach dem Krieg erweckte
der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl
Dönitz (1891 bis 1980), gern den Eindruck, dass ihm
persönlich zwei Millionen Menschen ihr Leben verdanken:
"Die Rettung der Menschen aus den ostdeutschen Provinzen
war vordringliches Anliegen im Frühjahr 1945." Träfe
dies tatsächlich zu, dann hätte die Marine seit Januar
1945 diesem Ziel die gesamte Ostseekriegführung
unterordnen müssen. Das Kriegstagebuch der
Seekriegsleitung zeigt aber, dass der Großadmiral log.
Denn er verschwieg eine folgenschwere Entscheidung, für
die auch er die Verantwortung trug.
(Heinrich Schwendemann:
Großadmiral Dönitz hat gelogen, unter:
http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/ostsee/schwendemann.htm.
[zuletzt gesehen: 01-12-2016 17:50]. ↩
Am 22. Januar hatte der "Führer" nämlich Dönitz'
Vorschlag zugestimmt, die knappen Kohlereserven der
Marine allein für militärische Aufgaben zu reservieren,
nicht jedoch für den "Abtransport von Flüchtlingen".
Ziel war es, alles dafür zu tun, dass die eingekesselten
Truppen weiterkämpfen konnten. Dazu gehörte auch die
"Kurlandarmee", die ehemalige Heeresgruppe Nord, die in
Estland durchhalten sollte - und dies bis zum 8. Mai
auch tat. Vor allem aber wollte der Großadmiral die
Kontrolle über die östliche Ostsee als Operationsgebiet
für die neuen U Boot Typen sichern. Dönitz, nicht minder
endsieggewiss als sein "Führer", glaubte, mit dieser
Wunderwaffe noch die Wende im Seekrieg gegen den Westen
erzwingen zu können.