Holtenauer Geschichte

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Der Isarnho (Eisenwald) / Jernwith / Jarnwith

Der Dänische Wohld, auch (danica silva), ist Teil eines einstmals den größten Teil des Landes beherrschenden Waldes, der aufgrund seiner Undurchdringlichkeit den Namen Eisenwald erhielt. Dieser Wald — und damit auch das Gebiet des Dänischen Wohldes — wurde noch dichter, als in der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends große Bevölkerungsteile abwanderten (unter anderem auch die britischen Inseln). Der Name dieses Waldes soll sogar in der altnordischen Edda auftauchen:

"Austr sat in aldna i Iarnvithi
oc foeddi dar Fenris kindir
verdr af deim ollom einna noccorr
tungls tiugari i trollz hami."

was übersetzt folgendes bedeutet:

"Im Osten saß eine Alte im Eisenwald
Und gebar dort Fenrirs Kinder
Es wird von ihnen allen einer noch
Des Taglichts Töter, trollgestaltet."

Wenn vielleicht auch nicht der Wald in Schleswig-Holstein in der Edda gemeint ist, so kann es doch sein, daß man in früheren Zeiten diese mythologischen Vorstellung aus der Edda auf unsere Verhältnisse übertragen hat.

Während die Germanen zur Zeitenwende in ganz Schleswig-Holstein siedelten, zogen um 400-500 n. Chr. im Zuge der Völkerwanderung viele Stämme aus diesen Gebieten fort, so daß insbesondere Südostschleswig, d. h. unter anderem auch das Gebiet des Dänischen Wohldes, und das ostholsteinische Hügelland nahezu menschenleer waren und sich ein weitläufiger Eichen-Mischwald ausbreitete.

Waldbedeckung Abb.: Nahezu das gesamte Schleswig-Holstein war durchgehend von Wäldern bedeckt.

Erst um die Jahrtausendwende wurde dieses Niemandsland wieder von Norden durch Wikinger/Dänen (mit dem Zentrum Haithabu) und von Südosten von slavischen Stamm der Abotriten (Wagrier nördlich der Trave und Polaben südlich der Trave) allmählich wieder besiedelt. gleichzeitig wanderten von Westen wieder die sächsischen Stämme der Holsten und Storman weiter nach Osten einwanderten. Um 800 kam es zu einer Frontstellung dieser drei Völker mit wechselseitigen Kämpfen.

Adam von Bremen berichtet über den Eisenwald folgendes:

Saltus Isarnho a stagno incipit Danorum, quod Slia dicitur, (et) pertingit usque ad civitatem Sclavorum, quae dicitur Liubicen, et flu­ men Travennam.

was bedeutet:

Der Wald Isarnho beginnt an der Förde der Dänen, welche Schlei genannt wird, und reicht bis zur Stadt der Slawen, welche Lübeck genannt wird, und zum Fluß Trave.

Helmold von Bosau berichtet in seiner Slavenchronik:

Noch gibt es zahlreiche Spuren jener alten Bevölkerung, besonders in dem Walde, der sich von der Burg Lütjenburg über weite Strecken bis nach Schleswig hinzieht. In seiner unermeßlichen und fast undurchdringlichen Ein­samkeit finden sich zwischen riesigen Urwaldstämmen [noch] Grä­ben, von denen einst die Äcker aufgeteilt wurden. Auch die Gestalt der Burgen oder Städte gibt der Aufbau ihrer Wälle an. Ebenso zeigen die an den meisten Bächen wegen der Mühlen aufgeführten Wasserstaudämme, daß jener ganze Wald einst von Sachsen be­wohnt war.

Der dänische Name Jernwith oder Jarnwith wird im folgenden erklärt:

Jernwith, eine früher weitgedehnte hügelige Waldstrecke im östlichen Schleswig und Holstein; die Überreste davon sind noch auf den Hüttenerbergen und in dem Dänischwohld vorhanden. Der Wald erstreckte sich von der Schlei bis an die Swentine in Wagrien, wo er auf altsächsisch Isarnho genannt wurde, was als eiserne Höhe gedeutet wird. With, dänisch Ved, gälisch fioth oder fidd ist Wald, daher auch der Sundewith, Wald am Sunde, oder Wasser di-ean. Jern ist daran Berg, Hüttenerberg, und Dänisch-wald ist kein dänischer Wald, sondern entweder Bergwald von dunisk bergig, oder Wasserwald von tainisk wässerig, oder waldig kurzweg von tonisk, so dass das angehängte Wald die Übersetzung von Dänisch ist. Nach der Sage wohnte im Jernwith eine Riesin, deren Kinder Wolfsgestalt hatten. (Quelle: Obermüller, Wilhelm: Wilhelm Obermüller's deutsch-keltisches, geschichtlich-geografisches Wörterbuch, zweiter Band, Berlin 1872, S. 103.).

Die Sage von der Riesin und ihren wolfsartigen Kindern geht hier wohl auf den Text aus der Edda zurück.

In den folgenden Jahrhunderten gab es mehrere Siedlungsräume in Schleswig-Holstein, von denen die Holtenau am nächsten gelegenen Gebiete ein Siedlungsgebiet östlich der Kieler Förde und ein weiteres nördlich der Schlei waren (siehe Karte oben!). Diese Siedlungsgebiete waren durch dichte Wälder voneinander getrennt. Dabei darf man sich auch diese Siedlungsgebiete nicht als waldfreie Flächen vorstellen: Vielmehr wird es sich um ein von einem gelichteten Wald bedecktes Gebiet gehandelt haben, „... in das eingestreut als Siedlungskammern einzelne Dörfer oder kleine Siedlungsgruppen gelegen haben.”

Der Charakter der die einzelnen Siedlungsgebiete trennenden Waldstreifen wird urwaldartig gewesen sein. Auf der Innenseite der Grenzstreifen, also in dem zu den Siedlungsgebieten hin liegenden Teil des Waldes, ist zweifellos durch Viehweide im Wald, durch Holzeinschlag für Bau und Feuerung und durch Eisenverarbeitung, eine lichtere Zone geschaffen worden, die aller Voraussicht nach in der Regel mit der Entfernung von den Siedlungsgebieten zum Waldinneren hin abnahm. [...] Die mehr oder weniger breiten trennenden Waldstreifen, deren trennende Wirkung noch durch Sümpfe und vermoorte Talauen gesteigert worden sein muß, haben zweifellos sehr wirksame Grenzscheiden der einzelnen Siedlungsgebiete gegeneinander gebildet. (Quelle: Jankuhn 1976, S. 152.)

Hier stellt sich natürlich die Frage, in wieweit diese Siedlungsgebiete in der Realität voneinander abgeschirmt waren und ob es nicht doch - zumindest über das Meer oder die Flüsse - Verbindungen gab. Auch in späterer Zeit dienten ja Flüsse wie die Levensau als Handelsrouten.

Mochte vielleicht auch hier eine Bewohnung und ein Anbau gewesen seyn, wie Helmold mit Beziehung auf die von Heinrich I. nach der provincia Slesvicensis oder sogenannten Mark geführte Colonie andeutet, vielleicht noch eine frühere im 9ten Jahrhundert, so war doch damals alles ein unwegsamer Wald (um 1170), der, wie aus Waldemars Erdbuch ersichtlich, wo er unter dem Namen Jarnwith vorkommt, zu dem Konungslef oder den königlichen tafelgütern gehörte. Zu Waldemars Zeiten mögen indessen schon einzelnen Dörfer angelegt und von königl. Festebauern bewohnt gewesen seyn, auch kommt zu seiner Zeit als bestimmte Südgrenze zuerst neben der Eider die Levensau vor. Nach Waldemars Tode scheinen die Königsgüter und selbst das Konungslef zur Theilung gegangen zu seyn, denn wir finden später Abels Wittwe Mechthildis im Besitz des Landes zwischen der Eider und Schley, das sie an die holsteinischen Grafen abtrat, in deren Besitz diese Gegenden auch blieben, über welche sie ihre Gewalt dadurch zu sichern suchten, daß sie dem Holsteinischen Adel einzelne Strecken einräumten. So entstanden hier auf dieselbe Weise, wie in den benachbarten Gegenden Holsteins und Wagriens geschehen war, adelige Höfe und Güter, die sich in der Folge durch Theilungen vermehrten, da ihrer Anfangs wie es scheint, nicht sehr viele waren. Zunächst an der Levensau erscheint schon ziemlich früh Knoop als ein Sitz von Mitgliedern des damals sehr blühenden Geschlechts derer von der Wisch, die sich zum Theil danach benannten, und auch Seekamp scheint mit dazu gehört zu haben, nicht weniger Rathmannsdorf. (Quelle: Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig, Band 2, Flensburg 1841, S. 1328ff.)
Siehe auch:

© Bert Morio 2016.