Holtenauer Geschichte

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Schiffsausrüster Hermann Tiessen

Der 1887 in Dithmarschen geborene und 1966 in Kiel gestorbene Hermann Tiessen eröffnete 1927 seinen Schiffsausrüsterbetrieb am Holtenauer Kai. Im Jahr 1977 wurde die dort entlang führende Straße "Am Kai" zu seinem Gedenken in "Tiessenkai" umbenannt. Damals gab es bereits 15 weitere Schiffsausrüster in Holtenau. Später wurde das Geschäft durch seinen Sohn Günter weitergeführt.

Tiessen und Zerssen Abb.: Die Schiffsausrüster Herman Tiessen und Zerssen am Kai.

"Bei Tiessen und den anderen Ausrüstern kann bestellt werden, was die Schiffsbesatzung vom Kohlkopf bis zum Maschinenteil für die Fahrt so braucht. Alles wird in Container und Netze gepackt und beim kurzen Aufenthalt in der Schleuse an Bord gehievt. In dem Laden aber, zwischen altmodischer Kasse, Kaufmannswaage und einer Schiefertafel, auf der mit Kreide die Bestellung "Annemarie - 1 Rettung­sinsel" notiert ist, machen Matrosen und Hausfrauen aus der Nachbarschaft ihre letzten kleinen Besorgungen." (DIE ZEIT, Nr. 15, 1995: Wo Ozeanriesen durch Wiesen Gleiten.)

Tiessen und Loeck Abb.: Die Schiffsausrüster Hermann Tiessen und Carl Loeck.

Das wohl weithin bekannteste Kieler Schiffsausrüstergeschäft wurde 1927 gegründet und am späteren Tiessenkai – damals noch “Am Kai” – das erste Gebäude errichtet. Als Tiessen das Geschäft eröffnete gab es zwar bereits weitere 15 Konkurrenten in Holtenau und während des Eiswinters 1928/29 galt es für die gerade erst gegründete Firma ebenso wie für die anderen Holtenauer Schiffsausrüster eine lange Durststrecke zu überstehen, doch aufgrund der zunehmenden Schiffsgrößen und der immer längeren Seezeiten wuchs auch der Materialbedarf stetig an, so daß Hermann Tiessen und später sein Sohn Günter das Geschäft im Laufe der Jahrzehnte durch insgesamt 8 Anbauten vergrößern mußten.

Kümos am Tiessenkai Abb.: Motorschiffe in "Päckchen" am Kai, dem späteren "Tiessenkai". Im Hintergrund das Wiker Ufer mit dem Gasometer. Rechts Hinten die Schleusen mit dem Pegelturm.

Über die einmalige Atmosphäre bei „Hermann Tiessen” schreibt Hannes Hansen das folgende:

"Wenn man den kleinen Verkaufsraum mit der grün gestrichenen Einrichtung betrat, fühlte man sich in die Welt der Tante-Emma-Läden von gestern versetzt. Über dem Verkaufstresen hingen Pinsel und Schäkel, in den Regalen stapelten sich Kakao und Cornflakes, Tütensuppen, Reis und Mehl, in Plastikkörben lagen Kohlköpfe, Porree und Mohrrüben. Doch die Einrichtung aus der Anfangszeit war nur die Visitenkarte und das nostalgische Aushängeschild der Firma. Hinter dem Gebäude erstreckten sich weiträumige Lagerhallen. Wer nachts um drei, sagen wir, einen neuen Drucker für seinen Computer brauchte, eine Pudelmütze oder einen Kasten Bier, hier bekam er, was er suchte." [Hansen 2010], S. 54.

Zum Gedenken an den ehemaligen Schiffsausrüster wird seit einigen Jahren das Tiessen Race ausgetragen.

Siehe auch:

© Bert Morio 2016.