Holtenauer Geschichte

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Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Steht man heutzutage auf der Grünfläche zwischen dem Holtenauer Leuchtturm und dem Gasthaus Foerdeblick1, der ehemaligen Wartehalle, dann erinnert hier nichts mehr daran, daß sich an dieser Stelle für ein halbes Jahrhundert ein imposantes Denkmal mit der Gestalt Kaiser Wilhelm I. befand, der sich gegen viele Widerstände für den Bau des später nach ihm benannten Kanals eingesetzt hatte.

Der Leuchtturm und das Denkmal für Kaiser Wilhelm I Abb.: Der Leuchtturm und das Denkmal für Kaiser Wilhelm I.

Das im Jahr 1944 wegen der kriegsbedingten Metallverknappung eingeschmolzene imposante Denkmal für Kaiser Wilhelm I., das 5 Jahre nach der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Kanals am 25. Juni 1900 durch seinen Enkel Wilhelm II. eingeweiht wurde, nahm einen großen Teil der heute unbebauten Fläche ein.

Für das Kaiserpaar standen auf dem rotausgeschlagenen Podium zwei reich­geschnitzte Sessel, von denen man mit wenigen Schritten zu dem Schlußsteine des Kanals gelangen konnte, der als solcher zwar nur sinnbildlich gedacht ist, dafür aber die Bestimmung hat, den Grundstein für das neben dem Holtenauer Leuchtturm zu errichtende Denkmal Kaiser Wilhelms des Ersten zu bilden.

Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals Abb.: Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals.

In seinen Grundstein legte der Kaiser zusammen mit zeitgenössischen Schriften und Münzen die bei der feierlichen Kanaleröffnung im Jahre 1895 verlesene Urkunde:

Indem Wir ihn in den Dienst des Weltverkehrs stellen, eröffnen wir neidlos allen Seefahrt treibenden Völkern die Theilnahme an den Vortheilen, welche seine Benutzung gewährt. Möge er, ein Friedenswerk, allezeit nur dem Wettkampfe der Nationen um die Güter des Friedens dienstbar sein!

Das Denkmal hatte mit dem Sockel eine Höhe von 16 Metern und zeigte den alten Kaiser Wilhelm I. in Generalsuniform. Es wurde wie auch der Holtenauer Leuchtturm von dem Berliner Bildhauer Ernst Herther entworfen. Die Kosten des Denkmals betrugen 117.000 Mark. Demgegenüber war der Sockel, für den alleine mehr als 150 Tonnen schwedischer Granit verbaut wurden, schlicht gehalten und trug nur die Inschrift Wilhelm der Grosse.

Zu beiden Seiten des Sockels befand sich auf einem durch Steinbrocken stilisierten wogendem Meer jeweils der Bug eines Wikingerschiffes mit zwei nordischen Göttern, die den Kriegsgott und die Friedensgöttin darstellten. Das ganze Denkmal wurde mit einer quadratischen niedrigen Mauer mit einem gußeisernen Gitter und in Abständen aufragenden oben spitz zulaufenden Steinen umfaßt.

Kaiser Wilhelm-Denkmal Abb.: Das Kaiser Wilhelm-Denkmal.

Der Sockel des Denkmals wurde erst im Juni 1954 abgerissen. Dabei stießen die Bauarbeiter auf einem Hohlraum, in dem sie eine Kassette fanden, die eine handgeschriebene Urkunde mit den Namenszügen Kaiser Wilhelm II. und seines damaligen Reichskanzlers von Hohenlohe, ein umfangreiches Werk über den Wasserstraßenbau einschließlich seiner Vorgeschichte, eine kleine Münzsammlung, Visitenkarten und Prospekte enthielt.

Denkmal mit der Umfassungsmauer Abb.: Das Denkmal mit der Umfassungsmauer, die anscheinend im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert wurde.

Weiterhin wurde hier noch eine eingemauerte Flaschenpost mit den Visitenkarten vieler Gäste und Bauleute gefunden. Eine zeitgenössische Quelle berichtet folgendes über das Denkmal:

Das Denkmal für Kaiser Wilhelm I., das unweit der Mündung des Kaiser Wilhelm-Kanals in den Kieler Busen bei Holtenau aufgestellt wird [...], ist eines der grössten unter den bisher errichteten, rein statuarischen Kaiserdenkmälern. Mit Rücksicht auf die flache Umgebung, die es beherrschen soll, ist die Gesamthöhe des Denkmals auf 14 m bemessen worden. Die Figur des Kaisers allein ist 6 m hoch. Statt der üblichen allegorischen Wesen hat der Künstler für den Schmuck des Sockels, ganz in Einklang mit dem Genius loci, der kriegerischen Nordmark, die Reckengestalten zweier Germanen gewählt, die aber noch eine besondere symbolische Bedeutung haben. Da bei der Begründung des Kanals ein doppelter Zweck – seine Bestimmung für Kriegs- und Friedensbedürfnisse – ins Auge gefasst worden ist, soll der eine Germane den Krieg, der andere den Frieden veranschaulichen. Wiederum hat der Künstler jenes hohle deklamatorische Pathos vermieden, das besonders unsern westlichen Nachbarn, den Franzosen, bei solchen Denkmälern zur anderen Natur geworden ist, und sich damit begnügt, die Festigkeit, und Unerschütterlichkeit deutscher Volkskraft in schlichter Formensprache auszudrücken.

In sehr trockenen Sommern kann man auch heute noch an den Verfärbungen des Rasens die Lage des einstigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals erkennen.

Kaiser Wilhelm-Denkmal Abb.: Das Kaiser Wilhelm-Denkmal, das Lotsenhaus und die Dankeskirche.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal Abb.: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

Rückseite Denkmal Abb.: Das Denkmal von der Rückseite.

Siehe auch:

© Bert Morio 2017 — Zuletzt geändert: 26-09-2017 14:56


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