Holtenauer Geschichte

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Schiffsausrüstergeschäft Zerssen

Die bekannte Firma Zerssen war beispielsweise in Holtenau bis 1894 nur durch einen Agenten vertreten und baute erst im Jahr 1895 in der Kanalstraße Nr. 46 ein Wohn- und Kontorhaus. Schon zwei Jahre später waren in dieser Niederlassung bereits 5 Angestellte beschäftigt. Diese Niederlassung blieb bis in die 1930er Jahre bestehen.

Tiessen und Zerssen Abb.: Schiffsausrüstergeschäfte von Zerssen und Hermann Tiessen am Kai, dem späteren Tiessenkai.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte man in Holtenau selbst relativ schnell wieder von der Kanalschifffahrt profitieren. So stieg beispielsweise der Bunkerbetrieb der Firma Zerssen schon wenige Jahre nach Kriegsende gewaltig an. Bereits 1920 musste die Firma einen zweiten Bunkerplatz gleicher Größe von der Kanalverwaltung hinzu pachten. Dieser wurde - durch weitere Zupachtungen - bis 1929 auf 15.000 m² Lagerfläche und auf 500 m Kaifläche erweitert. Nicht nur die allgemeine Zunahme der Schifffahrt bedeutete einen erheblichen Zuwachs des Umsatzes, hierzu trug insbesondere auch der englische Kohlenstreik aus dem Jahre 1926 bei. Ein Umschlagvertrag mit Russland aus dem Jahre 1929 vergrößerte den Umsatz noch weiter und erforderte zusätzliche Lösch- und Lagerkapazität. Umgekehrt wiederum bedeuteten das Ende des Vertrages mit der Sowjetunion im Jahre 1931 und die damalige Wirtschaftskrise erhebliche Umsatzverluste.1

Die Wirtschaftstätigkeit am Kanal musste im Verlauf des Zweiten Weltkrieges immer mehr eingeschränkt werden und schließlich kam der Verkehr auf dem Kanal nahezu zum Erliegen und damit auch das Geschäft der Schiffsmakler und Schiffsausrüster. Zudem wurde der Handel mit Brennstoffen wie Kohle, Öl aber auch Baustoffen in der Kriegswirtschaft staatlich reglementiert.

Davon waren u. a. auch Unternehmen wie die Traditionsfirma Zerssen betroffen, deren Holtenauer Kontorgebäude zudem im Jahr 1942 fast vollständig durch Bombenangriffe zerstört wurden. Nur die Bunkeranlagen am Kanal überstanden den Krieg nahezu unversehrt.2

In Holtenau hatte bereits im Jahre 1945 die Firma Zerssen im britischen Auftrag wieder das Bunkergeschäft aufgenommen, wobei es hauptsächlich um die Treibstoffversorgung der Minensuchboote der German Minesweeping Administration3 ging. Wenig später wurde auch das Schifsausrüstergeschäft wieder aufgenommen, vor allem um die Schlepper zu versorgen, die im so genannten Tug-Pool zusammengefasst waren4.

Siehe auch:

© Bert Morio 2016.


  1. Vgl.: Die Firma Zerssen im Internet, unter: http://www.zerssen.de/popup_historie.htm. 

  2. ebd. 

  3. Der Deutsche Minenräumdienst wurde bereits im Juli 1945 auf Initiative der Briten gegründet und von Hamburg aus geleitet. In Schleswig-Holstein war die 1. Minenräumdivision mit ca. 4.300 Mann im Einsatz. Der Dienst war nicht freiwillig, denn die Besatzungen galten als unbewaffnetes deutsches militärisches Personal (“Disarmed German Mititary Personnel”). Bis Ende des Jahres 1947 waren 5628 Quadratseemeilen in der Nordsee und 450 Quadratseemeilen in der westlichen Ostsee freigeräumt. 2721 Minen und 693 Sperrschutzmittel waren durch die deutschen Minensucher unschädlich gemacht worden, wobei insgesamt 348 Männer des Deutschen Minenräumdienstes ihr Leben verloren. (Vgl.: Der Deutsche Minenräumdienst German Minesweeping Administration GM/SA , unter: http://www.mandors.de/Teil1.html.).  

  4. Vgl.: Die Firma Zerssen im Internet, unter: http://www.zerssen.de/popup_historie.htm.