Holtenauer Geschichte

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Kanalinsel bei Projensdorf

Durch die Erweiterungsarbeiten und Veränderungen der Kurvenradien des Kaiser-Wilhelm-Kanals entstand vor Projensdorf östlich der Levensauer Hochbrücke die Kanalinsel. Die Wasserfläche zwischen der Insel und dem Südufer war also der Überrest des Kanalverlaufs von 1895. Nur wenige Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde von der Kieler Germaniawerft auf der Kanalinsel eine Schiffswerft errichtet, um Schleppkähne zu produzieren.

Kanalinsel bei Projensdorf Abb.: Die Kanalinsel bei Projensdorf vor 1945. Im Hintergrund die Prinz-Heinrich-Brücke.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es hier ein Zwangsarbeiterlager für Sowjetbürger, das mit 400 Personen belegt war und zu den “Walter-Werken” in Tannenberg gehörte, die kriegswichtige Komponenten für Unterseeboote und Raketenantriebe produzierten. Hier wäre es in den letzten Kriegstagen beinahe zu einem Massaker an den Zwangsarbeiten gekommen, das scheinbar nur dadurch verhindert wurde, daß das Lager im letzten Augenblick durch die Alliierten befreit wurde:

Am Ende des Krieges kamen Autos ins Lager mit [unleserliches Wort, Anm. d. Übers.], alle Männer ließ man mit dem Gesicht zum Stacheldrahtzaun antreten, die Männer und Kinder ließ man sich mit dem Gesicht zur Erde auf den Boden legen, noch eine Minute und man hätte uns erschossen, aber zu diesem Zeitpunkt drangen Angloamerikaner in Autos in das Lager ein und retteten uns.

Im März 1941 morgens lief das deutsche Schlachtschiff Bismarck östlich der Kanalinsel auf die Südböschung und kam erst nach einer Dreiviertelstunde wieder frei, blieb dabei jedoch ohne Schäden. Da die Bismarck nicht voll ausgerüstet war - also nicht ihren größten Tiefgang hatte - wurde deutlich, daß der Kanal in seinem damaligen Zustand nur bedingt für eine Passage vom Großkampfschiffen des Typs Bismarck geeignet war (aus diesem Grund war seitens der Marineführung bereits vor dem Krieg eine zweite Kanalerweiterung geplant, die dann durch den Kriegsausbruch verhindert wurde).

Badestelle Tannenberg Abb.: Badestelle Tannenberg 1951. Im Hintergrund die Kanalinsel und das Nordufer. [Magnussen, Friedrich (1914-1987)-(CC BY-SA 3.0 DE)]

In der Nachkriegszeit verwilderte die Insel und wurde dann von den Kielern als Badeinsel und als verschwiegenes Örtchen benutzt. Nachdem die Insel in den Jahren 1958/59 weg gebaggert wurde, erinnert nur noch die Zufahrtsstraße Zur Kanalinsel an die verschwundene Insel.

Bevor er [der Nordhafen – der Verfasser] allerdings seine endgültige, heutige Gestalt bekam, zerstampften dröhnende Bagger 1959 einer der schönsten Kieler Badeanstalten. Sie lag gegenüber der ”Trauminsel” vieler Kieler am Südufer des Kanals. Die Badenden konnten zu der 150 Meter langen und 25 Meter breiten Wildnis hinüberschwimmen und untertauchen.1

Siehe auch:

© Bert Morio 2017 — Zuletzt geändert: 15-09-2017 00:16


  1. Talanow, Jörg: Kiel, so wie es war 3, Düsseldorf 1980, S. 61.