Holtenauer Geschichte

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Die Holtenauer Friedrichschleuse

Die so genannte “Friedrichschleuse” war der zweite Schleusenbau an dieser Stelle, da die erste Holtenauer Eiderkanalschleuse aus dem Jahre 1779 wegen des Eindringens von zu vielem Sickerwasser in den Jahren 1823(1821)–1825 unter der Leitung von Claus Hinrich von Christensen völlig neu erbaut werden mußte. Dieser Neubau lag 70 Meter nördlich der alten Schleuse, die jedoch weiterhin in Betrieb blieb, so daß eine kleine Insel zwischen den beiden Schleusen entstand, auf der dann 3 Häuser gebaut wurden.

Abriß der Fridrichsschleuse Abb.: Abriß der Friedrichsschleuse im Zuge des Baus des Kaiser-Wilhelm-Kanals im Jahr 1893. Die Schleuse war zu marode, als dass man sie noch für den Bau des neuen Kanals hätte einsetzen können.

Die so genannte “Friedrichschleuse” war der zweite Schleusenbau an dieser Stelle, da die erste Schleuse aus dem Jahre 1779 wegen des Eindringens von zu vielem Sickerwasser in den Jahren 1823 (1821)–1825 unter der Leitung von Claus Hinrich von Christensen völlig neu erbaut werden mußte. Dieser Neubau lag 70 Meter nördlich der alten Schleuse, die jedoch weiterhin in Betrieb blieb, so daß eine kleine Insel zwischen den beiden Schleusen entstand. Über die südliche Schleuse führte eine holländische Klappbrücke, wie sie noch heute auf dem Eiderkanalstück bei Kleinkönigsförde zu besichtigen ist. Über die nördliche Schleuse führte eine Drehbrücke. Die Friedrichschleuse war nach dem dänischen König Friedrich VI. benannt, der auch am Einweihungstag anwesend war.

"Die neue Schleuse, welche vom Ingenieur General. Christensen, vom Herbste des Jahres 1823 bis im Sommer 1825 erbauet ist und eine Brücke zum Drehen, damals ganz neuer Construction, erhielt, ist nicht allein nach dem König Friedrich VI. genannt, weil sie unter seiner Regierung erbauet ist, sondern auch, weil der König nach vollendetem Bau mit feiner ganzen Suite zuerst durch die Schleuse zu Fuße gegangen und darauf, nachdem er gefrühstückt, auf einem Schiffe mit Wimpel und Flagge, unter lautem Jubel des Volkes, durch dieselbe gefahren ist.
Während des Frühstückes waren nämlich die Dämme, welche zum Schutze gegen das Wasser geblieben waren, durchgestochen, die neue Schleuse hatte sich mit Wasser gefüllt und war dadurch mit dem S.-H. Canal in Verbindung gesetzt worden." (Quelle: Wilhelm Hirschfeld: Wegweiser durch die Herzogthümer Schleswig und Holstein, für die Mitglieder der XI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe, Kiel 1847, S. 155f.)

Das in den Auwiesen gelegene Land für den Bau der Friedrichschleuse, auf dem auch sein Haus stand, gehörte Claus Sump, der dafür einen Bauplatz auf der Koppel Kohhagen erhielt. Ein Nachfahre von Claus Sump war Johann Sump. Dieser war norwegischer Konsul. Er rief eine Stiftung ins Leben, die zu Weihnachten Geld an Bedürftige verteilte. Nach ihm wurde die ehemalige “Hohe Straße” in "Johann-Sump-Straße" umbenannt.

Friedrichschleuse und Schleuseninsel Abb.: Friedrichschleuse und Schleuseninsel (Blick nach Osten).

Mit Hilfe der beiden Brücken über die Schleusen wurden dann auch die durch den Kanalbau durchschnittenen Nord-Süd-Verbindungen wieder hergestellt. In späterer Zeit erhielt die Holtenauer Schleuse eine Drehbrücke. Auf der östlichen Seite war am Schleusentor folgende Inschrift auf einer Marmortafel angebracht.

CHRISTIANI VII
JUSSU ET SUMPTIBUS
MARE BALTICUM OCEANO
COMMISSUM MDCCLXXXII REGNO
ET PATRIAE MEAE SACRUM

Über die südliche Schleuse führte eine holländische Klappbrücke, wie sie noch heute auf dem Eiderkanalstück bei Kleinkönigsförde zu besichtigen ist. Über die nördliche Schleuse führte eine Drehbrücke. Die Friedrichschleuse war nach dem dänischen König Friedrich VI. benannt, der auch am Einweihungstag anwesend war.

“Reichliche Gelegenheit zur Anwendung der auf der Reise gesammelten Beobachtungen und deren Resultaten gab nun dem 1822 zum Oberstlieutenant avancirten Verstorbenen [Nikolaus Heinrich Christensen, der Verfasser] das verfallene Kanalinstitut, bei welchem überall Ausbesserungen und Veränderungen vorzunehmen waren. Zugleich wurden die Vorbereitungen zum Baue der gänzlich verfallenen neuen Kanalschleuse bei Holtenau getroffen, welche, um die Schiffahrt nicht zu hemmen, neben der alten an- gelegt werden mußte. Nachdem ein vollständiges Modell derselben von dem jüngsten Sohne des Verstorbenen ausgeführt war, ward noch im Herbste des Jahres 1823 die zu derselben bestimmte Stelle ausgegraben, um sogleich im folgenden Frühlinge den Bau dieses großen Werks beginnen zu können. – Weder damals noch jetzt ward in der Grube eine Spur von Quellen wahrgenommen, daher man sich in dieser Hinsicht für völlig gesichert hätte halten mögen. Dennoch waren für den möglichen Fall alle Vorbereitungen getrofen und bald zeigte es sich, wie nöthig sie waren. Denn kaum hatte man im März 1824 mit dem Einrammen des Grundpfahlwerks begonnen, als am 2. April eine mächtige Quelle hervorschoß, welche die schon bereit gehaltenen für Pferde und Menschenkraft bestimmten Wasserschöpfwerke Tag und Nacht in ununterbrochener Arbeit erhielt.

Jetzt konnte das Werk unter der persönlichen Leitung des Verstorbenen von dessen jüngstem Sohn und dem jetzigen Kanalinspektor Major Lund ohne Aufenthalt fortgesetzt werden, indem man den Boden der Schleuse nach der von dem Verstorbenen erfundenen einfachen Bodenkonstruktion statt des in Holland üblichen doppelten Bodens auf eine solche Weise legte, daß jede Vergänglichkeit unmöglich gemacht ist. Darauf folgte das Mauerwerk aus den festesten Materialien, deren Dauerhaftigkeit durch einen zu diesem Zwecke besonders erfundenen Apparat erprobt war und, ungeachtet der höchsten Genauigkeit der Arbeit, bewirkte dennoch die eigenthümliche Disciplin, der alle Handwerker sich unterwerfen mußten, eine solche Beschleunigung des Wertes, daß es schon zu Anfang Oktobers 1824 größtentheils vollendet dastand. [...]

Um die Mitte des Juli stand das schöne kolossale Gebäude, welches Seeschifen von 11 Fuß Wassertiefe den Durchgang gewähren sollte und dessen sämtliche Baukosten sich auf ungefähr 170,200 Rthlr. (127,500 Rthlr. preuß. Kourt.) beliefen, vollendet da, auch war die Verbindung mit dem Kanale bis auf den letzten Durchstich vollendet. König Friedrich VI., der sich damals gerade in Schleswig befand, beehrte das Werk am 18. Juli mit einem Besuche, ging um 10 Uhr Morgens zu Fuß durch dasselbe und durchfuhr es, nachdem nun in großer Schnelligkeit der Durchstich bewirkt war, 2 Stunden später auf einem kleinen Fahrzeuge. Daher ließ der Verewigte sowohl den werthvollen Chronometer, als auch die kostbare, von dem Monarchen selbst in früheren Jahren benutzte Pfeife, mit welchen dieser als Beweisen seiner Zufriedenheit ihn erfreute, mit der Inschrift versehen:

Donum Frederici VI. nobilissimi clementissimi Daniae regis, qui novum emissarium Fredericianum Holtenaviae, ipsius et jussu et sumtibus perfectum XV Cal. Aug. a. MDCCCXXV duabus ante meridiem navigio transiit.

Die letztere vermachte er durch testamentarische Verfügung seinem Ältesten, den ersteren seinem jüngsten Sohne, dem Gehilfen bei diesem Werke, mit der Bedingung, daß sie nur auf die männlichen Nachkommen des Besitzers übergehen sollen.”

Nach der Friedrichschleuse wurde auch der Gasthof "Zur Friedrichschleuse" benannt, der im Zuge der Kanalerweiterung 1907-14 jedoch wie die daneben liegenden Gebäude abgerissen werden mußte.

Gasthof Abb.: Der Gasthof "Zur Friedrichschleuse" links.

Siehe auch:

© Bert Morio 2016.