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Zweimal wurde im 17. Jahrhundert an der engsten Stelle der Kieler Förde durch einen Dänischen König eine große Festung errichtet, die jeweils seinen Namen trug:
Festung Christianspriesnach König Christian IV.
Festung Friedrichsortnach König Friedrich III.
Nach den Erfahrungen im Kaiserlichen Krieg
(1626-29), in dem ganz Jütland durch die kaiserlichen Truppen und
die der katholischen Liga besetzt worden war, suchte der Dänische
König Christian IV. einen
Stützpunkt an der Ostküste. Die nur 800 Meter breite Enge beim
heutigen Friedrichsort schien damals eine leicht zu verteidigende
Position zu sein, hinter der sich ein weites geschütztes
Hafenbecken auftat.
Abb.: Die
Festung Christianspries. Auch heute ist noch ein Teil der
Wallanlagen vorhanden.
Der König erwarb daher die Güter Bülk, Knoop und Seekamp
und ließ dann in den Jahren 1631 bis 1642 in der Gemarkung des
Dorfes Pries eine reine Militärfestung, die nach dem König den
Namen Christianspries
erhielt, anlegen. Sie
konnte an der engsten Stelle der Kieler Förde den Schifffahrtsweg
nach Kiel sperren. Dabei kam es zu einem Konflikt mit der Stadt
Kiel und dem Herzog von Gottorf Friedrich III., denn von dieser
Seite her befürchtete man Nachteile für den Handel aufgrund der
durch die Festung ausgelösten möglichen kriegerischen
Auseinandersetzungen. So dauerte noch bis in das Jahr 1634 bevor
der Herzog von Gottorf der sich längst im Bau befindlichen Festung
zustimmt.
Zur Erwerbung des nöthigen Platzes mußte der König im Jahre 1632 die Güter Knop, Bölk, Seekamp und Holtenau kaufen, wovon er später den Rest zwar wieder verkaufte, aber mit großem Verluste. Holtenau hörte aber auf ein Gut zu sein und wurde zu Seekamp gelegt.
Der Versuch des Königs Christian IV., das Kieler Schloß wieder zu erobern, verunglückte, weil er nicht Herr der Kieler Föhrde und ihrer Ufer war. Er ließ also am Einlaufe der Kieler Föhrde eine See-Festung anlegen. Der Ort, welchen der König für den Hafen bestimmte, wurde nach ihm Christians-Hafen genannt.
Im Rahmen des Festungsbaus hatte der Dänische König auch das
Kirchspiel Dänischenhagen
gekauft, daß daher für eine Zeitlang den Namen Christianshagen
trug. Im Jahr 1643 wurde die Festung im Schwedisch-Dänischen Krieg
(Erster Schwedischer Krieg) von General Lennart Torstensson
eingenommen, der mit seinem Heer aus Böhmen in den Norden gezogen
war, und diente bis 1645 als schwedischer Flottenstützpunkt.
Die Schweden hatten bei der Eroberung ein leichtes Spiel gehabt, denn die Festung war unter ihrem Kommandanten Axel Urup nur mit 60 Mann besetzt gewesen.
Abb.:
Historische Karte der Festung Christianspries.
Als es ein halbes Jahr später in der Nähe von Heidkate zu einer Seeschlacht zwischen Dänen und Schweden kam, bei der die Schweden vernichtend geschlagen wurden, mußten sich ihre übrig gebliebenen Schiffe in den Schutz der Festung zurückziehen. Daraufhin blockierten die Dänen mit ihren Schiffen außerhalb der Reichweite der Festungskanonen die Kieler Förde. Später landeten Dänische Truppen bei Laboe und errichteten dort eine Schanze, von der aus sie die schwedische Flotte unter Beschuß nehmen konnten. Bei diesem Beschuß wurde am 25. Juli 1644 der schwedische Admiral und Flottenbefehlshaber Clas Flemming von einer Kanonenkugel tödlich getroffen.
Zugleich ließ er zweytausend Mann von Fühnen und Laaland nach der holsteinischen Küste übersetzen, die bey Bülk eine Schanze aufwarfen, und mit Kanonen aus derselben die schwedische Flotte heftig beschoffen. Der schwedische Admiral Clas Flemming wurde von einer Kugel getötet. Das Commando der schwedischen Flotte übernahm nun der Generalmajor Wrangel. Aber Torstensen eilte herbey, stürmte die Schanze, eroberte sie, und ließ in der Erbittrung einen großen Theil der tapferen Besatzung niederhauen.1
Es soll angeblich 1300 Tote bei dieser Aktion gegeben haben, aber schlimmer noch für die Dänen war die erfolgreiche Durchbrechung der Blockade durch die schwedische Flotte in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August. Und auch die Festung Christianspries blieb bis zum Frieden von Brömsebro am 13. August des folgenden Jahres weiter in schwedischer Hand.
Nach dem Tod König Christian IV.
im Jahr 1648 teilweise geschleift und das Land verkauft um guten
Willen gegenüber dem Gottorfer Herzog zu zeigen, wurde die Festung
von Friedrich III. - nachdem der wiederum das Land aufgekauft
hatte - in den Jahren von 1661 bis 1663 als Festung
Friedrichsort
(Friedrichspries
) durch
den damals renommiertesten Festungsbauer - dem Holländer Henrik
Ruse - wieder aufgebaut. Darüber schreibt August Niemann
einhundertfünfzig Jahre später:
Im J. 1663, nach Beendigung des Krieges, als der König deutlich genug eingesehen, wie nützlich ihm diese Festung gewesen wäre, ließ er sie von neuem bauen, und nannte sie Friedrichsort. [...] Bis auf Friedrich V. wechselte sie mit dem Namen des regierenden Königs den ihrigen. Seitdem heißt sie unverändert Friedrichsort.2
Allerdings diente Friedrichspries
nicht mehr als
Festung, sondern wurde als Depotplatz und zur Unterbringung von
Gefangenen genutzt - unter anderem auch von Menschen aus den
Gütern des Dänischen Wohldes. Die Dänen
trugen sich jetzt mit dem Gedanken, den Ort in Konkurrenz zur
Stadt Kiel zu einer befestigtem Handelsstadt auszubauen, was Kiel
letztlich zur Bedeutungslosigkeit verdammt hätte. Es kam jedoch
durch eine Einigung mit dem Gottorfer Herzog nicht zur
Verwirklichung dieser Pläne.
Im Jahr 1799 schreibt der Kieler Professor August Niemann über die Festung:
Die kleine Festung Friedrichsort, die einzige im Herzogthum Schleswig, liegt im dänischen Walde, eine starke Meile von Kiel, eine halbe Meile von der Holtenauer Kanalzollstätte, an der Mündung des Kieler Hafens. sie enthält eine Kirche, und mit dem Zeughause, dem Provianthause und der Wohnung des Kommandanten, 19 Häuser. Außer denselben sind vier Baracken für die Garnision. Einwohner sind ausser dem Militär, etwa 50. Der Kommandant, gewöhnlich ein bejahrter Offizier, der hierher in Ruhe versetzt wird, ist das Oberhaupt des kleinen Ortes, der Civilpersonen sowohl als des Militärs. Ein Ingenieuroffizier hat die Aufsicht über den Festungsbau und die Unterhaltung der königlichen Gebäude; ein Artillerieoffizier, über das Zeughaus, den Pulverthurm, die Kanonen, Bomben etc. Unter diesem steht ein Feuerwerker mit 6 Artilleristen. Die Stationskompanie Invaliden besteht aus einem Kompaniechef, einem Premierlieutenant, der jetzt zugleich Wachtmeisterlieutenant ist, 1 Regimentsfeldscher [=Arzt, d. Verf.], 1 Kommandirsergeant, 1 Fourier [=Versorgungsoffizier, d. Verf.], 4 Unteroffiziers, 1 Tambour [=Trommler, d. Verf.] und 60 Gemeinen.3
Die Festung Friedrichsort blieb intakt, bis sie 1813 (im so
genannten Kosakenwinter
)
von schwedischen und russischen Truppen belagert und eingenommen
wurde.
Abb.: Die Festung Friedrichspries im Jahr
1758.
Nach dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 verfiel auch die Festung Friedrichsort, wurde aber von den Schleswig-Holsteinern während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung nochmals aktiviert, wobei der Leutnant Werner von Siemens eine bedeutende Rolle spielte - bis sie in preußischer Zeit zu einem bedeutenden Marinestützpunkt ausgebaut wurde. Die alte Festung Christianspries erwies sich aber für die geplanten militärischen Einrichtungen der Preußen als zu klein. Westlich der alten Festung entstand so der heutige Stadtteil, der 1875 bereits 811 Einwohner zählte, wovon über 2 Drittel Marineangehörige waren. Für diese errichtete man die 1977 abgerissene Matrosen-Artillerie-Kaserne, ein Lazarett, eine Schule und mehrere holzverschalte Dienstwohngebäude sowie eine Garnisionskirche. Die Festung Friedrichsort wurde so bis zum Ende des Ersten Weltkrieges der Dreh- und Angelpunkt des Kieler Festungsringes.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und
den Bedingungen des Versailler Vertrages wurde das ganze Gebiet entfestigt
und im Jahr 1922 wurde die Marinefunkstelle
Holtenau in die Festung verlegt.
Die Wallanlagen im Norden und Osten wurden vollständig umgebaut. Im Inneren wurden Gebäude aus dänischer Zeit abgerissen und stattdessen mit Erdreich überdeckte ein- und zweigeschossige Unterkunftsbauten - Kasematten - errichtet. Sie sind heute noch erhalten, ebenso wie die Wallanlagen im Westen, Süden und Osten sowie der südliche und östliche Festungsgraben. Reste der alten Festung Christianspries und des Festungsgrabens sind noch am Falkensteiner Badestrand zu erkennen, aber in der Regel nicht zugänglich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Festung auch Flüchtlinge untergebracht.
Siehe auch:
© Bert Morio 2018 — Zuletzt geändert: 27.09.2018