Holtenauer Geschichte

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Der Kanalbauverein

Im Zusammenhang mit der Kanalverwaltung entstanden — wie einhundert Jahre zuvor beim Bau des Eiderkanals — wieder neue Beamtenhäuser und Dienstwohnungen, dieses Mal im Bereich der unteren Kastanienallee, im Lindenweg und in der Königstraße. Diese Kanalbeamtensiedlung bestand aus Doppelhäusern mit geräumigen Wohnungen und großen Gärten.

Beamtenhäuser Abb.: Die ersten Beamtenhäuser in der späteren Kanalstraße.

1887 wurden als Dienstwohnung für die acht Schleusenmeister des sich im Bau befindlichen Kaiser-Wilhelm-Kanals die vier Doppelhäuser Königstraße Nr. 27-41 errichtet, zu damaliger Zeit standen diese vier Häuser noch auf einem rings herum unbebauten Gelände, das von den Bewohnern landwirtschaftlich genutzt wurde. Hinter den Doppelhäusern befanden sich kleine Fachwerkhäuser, die ursprünglich als Stall mit Trockentoilette genutzt wurden. Eines solches Fachwerkhaus (Lütthaus) findet sich heute noch im östlichen Teil der Lindenallee.

Zweifamilienhaus für Kanalbedienstete Abb.: Zweifamilienhaus für Kanalbedienstete.

Die Schleusenmeister waren ehemalige Deckoffiziere, d. h. Fachoffiziere der Kaiserlichen Marine für Nautik und Technik, die ihren Dienst auf der Schleuse abwechselnd in zwei Tageswachen von je 7 Stunden Dauer und einer Nachtwache von 10 Stunden Dauer versahen.

Es stellte sich jedoch schnell heraus, daß der bisher vorhandene Wohnraum nicht ausreichte, um außer den beim Kanal beschäftigten Beamten auch noch die Arbeiter und Angestellten in der Nähe ihres Arbeitsplatzes unterzubringen.

So wurde im Jahre 1900 unter Vorsitz des Baurats Johannes Lütjohann (*1854, †1920) der Kanalbauverein gegründet, der neue Häuser im Gebiet der ehemaligen Meierkoppel, d. h. nördlich der heutigen Kastanienallee errichtete. Mitglieder des Kanalbauvereins waren vor allem Lotsen, Kanalsteurer und Zollbeamte. Der Kanalbauverein errichtete 80 Häuser und in den Straßennamen zeigt sich der Einfluß des Kaiserlichen Kanalamtes durch die Namen der Bauräte des Kanalamtes Lütjohann oder Hayßen. Das ganze Viertel wurde daher auch das Baurats Viertel genannt – oder dem damaligen Zeitgeist entsprechend auch Kaiser-Wilhelm-Siedlung. Hauptsächlich wurden zweigeschossige Doppelhäuser mit zwei Frontispitzen, d. h. den giebelförmig vorspringenden Teilen eines Gebäudes, errichtet.

Die ersten Wohnungen des Kanalbauvereins waren schon 1902 fertig gestellt und bezugsfertig. Die Wohnungen hatten 4 Zimmer, Keller, Boden und Waschküche, im Anbau waren Ställe für Feuerung, Hühner, eventuell auch Schweine; dazu kamen jeweils ca. 200m² Gärten. Die Miete betrug 28–35 Reichsmark. Die Dächer waren mit Dachpappe gedeckt. Diese Wohnungen wurden zum größten Teil von Lotsen und Kanalangestellten bezogen.

1905 wurde der zweite Teil der Wohnungen in der Richterstraße, der Kastanienallee und der Richthofenstraße fertig. Im Unterschied zu den 1902 fertig gestellten Häusern waren diese mit Dachziegeln gedeckt. Diese Wohnungen wurden hauptsächlich von Lotsen, Schiffsführern und Maschinisten bezogen.

Als dritter und letzter Bauabschnitt wurden Häuser in der Lütjohannstraße errichtet. Für das Schleusenpersonal wurden mit Schiefer gedeckte Doppelhäuser in der Kanalstraße, der Königstraße und dem Lindenweg errichtet. Die Wasserversorgung der so neu errichteten Siedlungen übernahm die Kanalverwaltung, die zu diesem Zweck in der Richterstraße Nr. 2 große Tanks auf 20 m hohen Eisengerüsten errichtete, die von Pumpen im Maschinenhaus auf der Schleuse mit Trinkwasser versorgt wurden.

Siehe auch:

© Bert Morio 2017 — Zuletzt geändert: 19-10-2017 12:09