Holtenauer Geschichte

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Der Holtenauer Lotsenturm

Im Jahr 1929 wurde der neue Lotsenturm am Bootshafen (Lotsenhafen) in der Nähe des Holtenauer Leuchtturmes errichtet, so daß der Schiffsverkehr besser beobachtet und die Lotsen rationeller eingesetzt werden konnten. Vom Lotsenturm aus wurden die im Lotsenhaus wartenden Kollegen benachrichtigt. Im Laufe der Jahre wurden die Lotsen jedoch immer öfter per Funk angefordert, so daß der Lotsenturm mit der Zeit immer mehr an Bedeutung verlor. Der Lotsenturm blieb bis zu seiner Ersetzung durch ein Betriebsgebäude auf der Schleuse im Jahre 1970 in Betrieb wurde dann aber zwei Jahre später bis auf das Erdgeschoß abgerissen.

Lotsenturm Abb.: Mäuseturm und Lotsenturm am Bootshafen. Im Hintergrund die Marinefunkstelle.

Zur Zeit der so genannten "Butterfahrten" befand sich neben den Überresten des Lotsenturmes eine Zollbude zur Kontrolle der Passagiere. Auf der anderen Seite des Bootshafens befindet sich seit 1912 der so genannte "Mäuseturm", in dem sich die Führer der Lotsenversetzboote aufhalten. Der Mäuseturm wurde vor einigen Jahren renoviert.

Lotsenturm Abb.: Lotsenturm, Hafendampfer und Dankeskirche.

Beide Gebäude waren durch einen Bootssteg über den Bootshafen miteinander verbunden. Die Lotsenversetzboote legen auch heute noch im Bootshafen am Mäuseturm an. Einen Eindruck, wie in früherer Zeit der Ablauf gewesen ist, vermittelt der folgende Text:

Im Lotsenturm in Holtenau hat der Ausguck im “Schwalbennest” einen Großtanker gesichtet. Er nimmt Verbindung mit dem Schiff auf. Die Ankunft des Schiffes wird vom Ausguck dem Lotsenhaus und der Schleuse gemeldet. Tag, Stunde, Name und Nationalität und der Name des Lotsen werden eingetragen. Der Lotse läuft dann über die Brücke zum Lotsenversetzboot, das ihn zum ankommenden Schiff bringt.

Lotsenturm Abb.: Die Wartehalle, der Lotsenturm, der "Mäuseturm", die Seebadeanstalt und der Tonnenhof.

Mit der Modernisierung des Kommunikationswesens in der Schifffahrt und der dadurch zunehmenden Anforderung von Lotsen über Funk verlor der Holtenauer Lotsenturm seine Bedeutung, blieb aber noch bis 1970 in Betrieb.

Das Ende des Lotsenturms

Abriss des Lotsenturms im Frühjahr 1972. Abb.: Abriss des Lotsenturms im Frühjahr 1972. [Magnussen, Friedrich (1914-1987)-(CC BY-SA 3.0 DE)]

Leider wurde der Turm 1972 bis auf das Erdgeschoß abgerissen und damit ein weiteres Stück maritimes Holtenau zerstört. Zur Zeit der so genannten "Butterfahrten" befand sich neben den Überresten des Lotsenturmes eine Zollbude zur Kontrolle der Passagiere, die von Holtenau aus die so genannten "Butterfahrten" unternahmen.

Im Jahre 2006 ergab sich die Möglichkeit, den ehemaligen Holtenauer fast völlig abgerissenen Lotsenturm wieder aufzubauen, hatte sich doch ein Holtenauer Bürger dazu bereit erklärt, den Turm zu erwerben und historisch originalgetreu wieder aufzubauen. Ein solcher Wiederaufbau war noch in dem Strukturplan für die südliche Strandstraße aus dem Jahr 2003 vorgesehen:
'Die Stadt werde im Zuge der Aufwertung der Uferpromenade darauf hinwirken, dass der Lotsenturm vom Eigentümer wiederhergestellt und eine angemessene oder neue Nutzung gefunden werde.'
Doch kam es seitens der Bauherren auf dem Holtenauer Unterland natürlich zu Widerstand, da ein neu aufgebauter Lotsenturm die Aussicht auf die Förde gestört hätte.Einen Kompromiß zwischen Befürwortern und Gegnern versuchte eine Gruppe aus der Holtenauer CDU zu erreichen, die vorschlug, den Turm nicht originalgetreu, sondern unter Hinzufügung moderner Stilelemente zu gestalten. Diesem Ansatz lag auch ein 4 Jahre alter Entwurf der Muthesius-Hochschule zugrunde, der u. a. ein Cafe mit Aussichtsplattform vorsah.
Im Herbst des selben Jahres zeigte es sich dann jedoch, daß sich keine Mehrheit für einen Wiederaufbau fand. Der Stadtbaurat und Bürgermeister Peter Todeskino erklärte auf einer Sitzung des Holtenauer Ortsbeirates, daß man nicht nur von einer Rekonstruktion des Turmes absähe, sondern auch plane, den noch vorhandenen Stumpf zu entfernen.
Seitens der Stadt wurde mit Hinweis auf die Zurateziehung des Beirates für Stadtgestaltung argumentiert, daß der überdimensionierte Turm aus städtebaulicher Entwicklung nicht in das dahinterliegende Neubaugebiet passe und weiter wörtlich ausgeführt: Er war auch nicht besonders schön und ist schon lange weg. .
(Quelle: Kieler Nachrichten: “Stadt will Stumpf entfernen.”, 21. September 2006.)

Lotsenturm Abb.: Lotsenturm und Bootshafen bei Hochwasser. Die Gebäude links gehörten zur Marine und wurden genau wie der Lotsenturm abgerissen.

Siehe auch:

© Bert Morio 2017 — Zuletzt geändert: 14-09-2017 07:50