Holtenauer Geschichte

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Holtenau und die Marine

Die Marine hatte einen großen Einfluß auf die Entwicklung Holtenaus, nahm sie doch große Flächen Holtenauer Landes für sich in Anspruch und sperrte sie über Jahrzehnte für eine zivile Nutzung. Ohne die strategischen Überlegungen der Marine hinsichtlich eines schnellen Zusammenlegens der Nord- und Ostseeflotten wäre es zum Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals wohl gar nicht oder erst Jahrzehnte später gekommen, gab es doch bereits seit der preußischen Annektion der Herzogtümer alle möglichen Pläne für einen größeren Kanal, die jedoch alle nie über erste Planungen hinaus kamen (z. B. die Pläne des Kieler Reeders Satori).

Kriegsflotte Abb.: Die Kaiserliche Kriegsflotte auf der Holtenauer Reede. In der Bildmitte die Wartehalle, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und der Leuchtturm.

Ohne die Entscheidung, Kiel neben Wilhelmshafen zum wichtigsten Marinehafen der Kaiserlichen Flotte auszubauen, wäre es wohl auch nicht zum Bau des Fort Holtenau gekommen, das zusammen mit einer Vielzahl andere Befestigungs­anlagen rund um die Kieler Förde dem Schutz des Hafens diente. Die folgende Ansichtskarte zeigt, was das Bild Holtenaus vor einhundert Jahren ausmachte: nicht das Bauerndorf, sondern die Flotte, die Seeflieger und der Kaiser-Wilhelm-Kanal waren alles bestimmend.

Leuchtturmhügel Abb.: Auf dem Leuchtturmhügel, im Hintergrund liegt die Kaiserliche Flotte auf Reede.

Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts gab es im Zusammenhang mit der Marine unzählige militärische Einrichtungen in Holtenau; hier eine unvollständige Liste:

Nach der Besetzung durch die Preußen in folge des Krieges gegen Dänemark und anschließend gegen Österreich gewann die Marine in der Stadt eine so dominante Stellung, daß sich schließlich nahezu alle Wassergrundstücke in ihrer Hand befanden, so daß es hier für die Stadt kaum zivile Entwicklungs­möglichkeiten mehr gab. Versuche der Stadt, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen ("Wiker Hafenprozeß") scheiterten jedoch. Aus dieser "Monostruktur" ergaben sich nach der deutschen Niederlage 1918 (siehe Erster Weltkrieg) große Strukturprobleme - eine Entwicklung, die es in kleinerem Maßstab auch in Holtenau gab.

Personen:

Mehrere bekannte Persönlichkeiten aus der Marine verbrachten einen Teil ihrer Dienstzeit in Holtenau:

Das Ende der Marine in Holtenau

Die Geschichte der Marine ist in Holtenau auch heute noch nicht ganz zu Ende gegangen, denn immer noch verzögert sich die vollständige Freigabe der betroffenen Gebiete für eine zivile Nutzung und damit auch die Hoffnung, wieder eine direkte Wegeverbindung in den Norden östlich des Flugplatzes herstellen zu können, was die Attraktivität Holtenaus sowie des gesamten so genannten Maritimen Viertels2 für Besucher stark erhöhen würde.

Einheiten in Holtenau

Eine Liste der in Holtenau stationierten Einheiten der Bundeswehr im Jahr 1989 findet sich hier.

Siehe auch:

© Bert Morio 2016.


  1. Rickers besuchte den Schießplatz während seiner Ausbildung im Jahr 1941 und schrieb folgendes: Zum Abschluß des Schießens wurde uns noch freundlicherweise ein abseits stehender Pfahl gezeigt, der vielfach durchlöchert war. Es war der Pfahl, an den zum Tode verurteilte Soldaten gebunden und erschossen wurden. Vgl.: Rickers, Karl: Erinnerungen eines Kieler Jounalisten 1920-1970, Neumünster 1992, S. 140. 

  2. Siehe: Maritimes Viertel